• Ole von TourTouch

Zu kompliziert: Preissysteme Deutscher Campingplätze

Aktualisiert: Feb 26


Oder wieso passen Preislisten nicht auf Smartphone-Displays?



Das Internet setzt alte Regeln der Reisebranche außer Kraft. Alles muss einfach sein. Campingbetreiber haben die Aufgabe gewachsene Preisstrukturen, Saisonzeiten und Buchungskonditionen radikal zu überdenken, um die Branche in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.


KOMPLEXE PREISGEFÜGE. Deutsche Campingplatz-Preise sind im europäischen Vergleich günstig und leider vor allem eins: Kompliziert in ihrer Zusammensetzung. Viele Betriebe ärgern nicht nur ihre Gäste, sondern auch ihre Rezeptionsmitarbeiter mit langen Preislisten, komplexen Saisonzeiten, Buchungsbeschränkungen, Mindestübernachtungszahlen, Personengebühren, diversen Platzkategorien, Rabattkarten, verschiedenen Stromabrechnungssystemen, WLAN-Tickets oder Duschmarken. Der zu begrüßende Trend verschiedenste Mietunterkünfte ins Produktportfolio aufzunehmen verlängert diese Liste weitergehend. Die komplexen Strukturen machen Camping per se zu einem beratungsintensiven Produkt. Vor allem im digitalen Zeitalter baut diese Komplexität eine Wand zwischen den Campingplätzen und ihren potenziellen Gästen. Natürlich haben die entstandenen Systeme auch irgendwo eine Berechtigung. Gründe sind wahrscheinlich die Versuche einerseits die Auslastung zu optimieren und andererseits bei Vergleichspreisen gut dazustehen. Vielleicht spielt auch der vielerorts missglückte Anspruch die Preise transparent zu gestalten eine Rolle. In jedem Fall gilt: Im Zuge der Digitalisierung scheint es dringender denn je Preissysteme zu vereinfachen und mit klaren Ansagen und Mischkalkulationen Preise auslastungsorientiert und nutzerfreundlich zu kommunizieren. Aber schauen wir erst ein wenig zurück bevor wir einen Blick in die Zukunft werfen.


"Campingführer verstecken sich in den Handschuhfächern der Camper vor dem Zeitalter der Digitalisierung."

BUCHDRUCK. Stolz und nicht gerade kostengünstig legen Campingbetreiber alljährlich die Konditionen für Ihre Produkte in gedruckten Büchern fest. Je nach Verlag werden Preise und Saisonzeiten durch Informationen wie Platzgröße, Parzellierungsgrad, Dauercamperanteil und ggf. durch einen Vergleichspreis erweitert. Sicherlich spannende Kennzahlen für das Management und Betriebsvergleiche - in der Produktpräsentation an die Endverbraucher wirken diese (meist als kleine Symbole dargestellten) Infos aber oft nicht verkaufsfördernd. Die teuer bezahlten und aufwändig erstellten Campingführer verstecken sich dann in den Handschuhfächern der Camper vor dem Zeitalter der Digitalisierung. Von dort aus nehmen sie den Betreibern den Mut und auch die Möglichkeit für preisliche und angebotsgestalterische Veränderungen. Nicht zuletzt, um lästige Diskussionen mit Buchbesitzern zu vermeiden. Aber auch ohne Buch: Komplexe Systeme verlangsamen die Abläufe, sind fehlerintensiv und machen eine Menge Arbeit. Egal ob am Telefon, per Mail oder bei der Dateneingabe der Gäste am PC zuhause. Erst recht aber beim holprigen Versuch die Campingbranche Stück für Stück zu einer zeitgemäßen Online-Buchung zu bewegen. Wie aber sehen digitale Preise aus?




"Zu Komplexe Preise und Konditionen stehen im Widerspruch zu einer attraktiven und leichten Online -Buchung"

DIGITALE PREISE UND PAUSCHALEN. Wenn wir uns beispielsweise für ein Standard City-Hotel interessieren und uns die Lage und die Zimmer gefallen, ist der nächste Schritt den Preis zu erfahren. Ohne ein Datum anzugeben sind in dieser Branche nur noch sehr selten „Echte Preise“ einsehbar. Preise werden hier vom Hotelier und seinem IT-System nach Bedarf festgelegt. In auslastungsschwachen Zeiten ist es vielleicht etwas günstiger und zur Messe etwas teurer. Haupt- und Nebensaison eben. Die größten Unterschiede zur Campingbranche sind dabei: Ausgedruckte und für ein Jahr gültige Preislisten sind hier kaum denkbar - der Postversand dieser Listen an Gäste damit ebenfalls. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass der Gast nicht damit konfrontiert wird, wie sich der Preis zusammensetzt: Wasser, Abwasser, Strom, WLAN, Handtücher, Heizung, Klimaanlage, Endreinigung, … .Um Anfrageformular und Prozessabläufe weitergehend kurz und simpel zu halten, gehen viele Hotels in ihrer Mischkalkulation noch weiter: Ein Zimmer ohne Frühstück ist dort gar nicht erst buchbar. Campingplatzbetreiber können hier einiges lernen. Denn nur wenn Angebote neu kalkuliert und schlüssig zu Paketen gebündelt werden (Campingfläche 1. Reihe inkl. Strom, WLAN, Frisch- & Abwasseranschluss für xx €) sind diese attraktiv und leicht online buchbar. Preise sollten dazu künftig vermehrt im IT-System gestaltet und dem Gast erst nach Eingabe der Reisedaten - also in automatisierter Abhängigkeit zur Saisonzeit - präsentiert werden. Was das Produkt betrifft sollte der Gast zwar sehr wohl vor eine schlüssige Wahl an Paketvarianten gestellt werden (1. Reihe, 2. Reihe), sich aber nicht mühsam die Produktfetzen, die nun mal zu einem Campingurlaub dazugehören (Wasser, Strom, WLAN, PKW, …), zusammenstellen müssen.



Es ist noch ein weiter Weg, bis Camping-Erlebnisse in Deutschland flächendeckend online gebucht werden können. In diesem Zusammenhang fällt ein gravierender Unterschied zu der schon komplett digitalisierten Hotel- und Ferienhausbranche auf: Das komplexe Preisgefüge. Im digitalen Zeitalter baut aber eben diese Komplexität eine Wand zwischen den Campingplätzen und ihren potenziellen Gästen und sie steht im klaren Widerspruch zu einer attraktiven und leichten Online-Buchung. Die Branche sieht sich einer ganzen Generation von Campern und Hotel-All-Inclusiv-Überdrüssigen gegenüber, für die simple Systeme und direkt verfügbare Angebote kein nettes Extra, sondern eine Selbstverständlichkeit darstellen.











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