• Hannes von TourTouch

Campingplätze online finden und buchen

Aktualisiert: 1. Okt 2019

Der holprige Weg zur Digitalisierung



Die Campingbranche steht einer Generation gegenüber, die sich in allen Lebenslagen online organisiert. Um Campingplätze für nachkommende Generationen inhaltlich attraktiv, leicht zu finden und online buchbar zu machen, muss dringend Bewegung in die Branche.


JETZT BUCHEN. Schätzungsweise 65 % aller Camper schauen sich vor ihrer Reise im Internet um und fällen dort ihre Entscheidung für einen Campingplatz. Professionelle Web-Auftritte, die der Erlebniserwartung der Gäste gerecht werden und das emotionale Kommunizieren und Bebildern eines Urlaubsgefühls werden dabei immer wichtiger. „Wow! Das wird den Kindern gefallen!“ Weitergehend und zur Bestätigung informieren Gäste sich anhand von unterschiedlichen Online-Bewertungen: „Tolles Sanitärgebäude steht hier!“. Gelingt es, den Gast von seinem Produkt zu überzeugen, wird noch schnell im Familienchat ein Termin für den bevorstehenden Urlaub gefunden: „Camping über Ostern? Gerne, freu mich schon!“


BUCHUNG NICHT MÖGLICH. Spätestens aber bevor die Familie den endgültigen Reiseentscheid fällt, tauchen bei den meisten deutschen Campingplätzen die beiden Barrieren (1) Preis und (2) Verfügbarkeit auf. Und genau an dieser Stelle verlangsamt sich das flotte Klicken, Wischen und Tippen. „Was würde es denn bei Ihnen kosten mit vier Erwachsenen, einem Caravan samt Zugfahrzeug und einem Kind (16) über Ostern eine Woche Urlaub zu machen und sind dafür noch Plätze frei? - Ihre Anfrage wird bearbeitet…“. Nur knappe und sofort verständliche Preissysteme, direkt buchbare Pauschalangebote zu Festpreisen, eine Anzeige der, für das Reisedatum verfügbaren Flächen und ein userfreundliches Buchungsformular, das keine Fragen aufwirft, können es schaffen dem Prozess Reiseentscheid an dieser Stelle nicht den Wind aus den Segeln zu nehmen.


"Eine E-Mail ist keine Online-Buchung."

DIE ONLINE-ANFRAGE. Bei einer Online-Anfrage, wie sie aktuell auf den meisten Campingplatz-Webpages und Web-Portalen angeboten wird, füllt der Gast ein Formular aus, welches dem Campingplatz anschließend übermittelt wird. Der vom Gast eingegebene Datensatz kommt dann meist als Mail in den Betrieben an. Mitarbeiter übertagen dann die Daten in die Verwaltungssoftware, prüfen Verfügbarkeiten und nehmen Kontakt mit dem Gast auf. Von einer Online-Buchung sind Online-Anfragen noch weit entfernt.

DER ZWISCHENSCHRITT. Ist der Campingbetrieb bereits etwas „digitalisierter“, besteht eine Schnittstelle zwischen der Verwaltungssoftware und den Online-Formularen auf der eigenen Website und den Formularen der Web-Portale. Die vom Gast in diese Formulare eingegebenen Daten müssen nun nicht mehr arbeitsintensiv übertragen werden, sondern fließen über die Schnittstelle direkt in die verwendete Verwaltungssoftware ein. Anhand der erhaltenen Daten prüft die Rezeption die Verfügbarkeit und die Kommunikation mit dem Gast wird aufgenommen. Als Online-Buchung kann aber auch dieser Prozess noch nicht beschrieben werden.




DIE ECHTE ONLINE-BUCHUNG. Um eine echte Online-Buchung abzuwickeln ist eine Schnittstelle Voraussetzung, die nicht nur die Gästedaten in die Verwaltungssoftware einliest, sondern darüber hinaus auch noch die jeweilige Verfügbarkeit prüft und dem Gast schon nach wenigen Sekunden eine automatisch generierte Bestätigung zukommen lässt. Je nach Einstellung ist die Buchung dann abgeschlossen oder muss von Mitarbeitern noch freigegeben werden. Genau wie Kunden das von zahlreichen Online-Käufen, Hotelreservierungen oder Flugbuchungen gewohnt sind. Besonders vielversprechend scheint es, dem Gast für das jeweilige Datum die verfügbaren Produktvarianten und die zugehörigen Preise auf dem Lageplan zur Auswahl aufzuzeigen. Solch eine userfreundliche Verkaufsplattform kann nur funktionieren mit schlüssigen Produktpaketen und simplen Preisen, die automatisch in Abhängigkeit zum ausgewählten Reisedatum berechnet werden und beim Gast keine Fragen aufwerfen.


"Ohne Interaktion sind Portale uninteressant"

BUDGET VERLAGERN: VON PRINT NACH WEB. Anfragen und Buchungen können über die eigene Website und / oder über Marketingpartner erfolgen. Was früher die Print-Reiseführer waren, sind heute die Web-Portale. Auch hier stehen Betreiber vor der Entscheidung, welche die für den Betrieb relevanten Portale sind. Während Reiseführer lediglich einseitig die Visitenkarten und Steckbriefe der Unternehmen abbilden, bieten Web-Portale die Möglichkeit zur Interaktion mit dem Gast. Darüber hinaus bieten sie zeitgemäße Filterfunktionen, die den Gast nach Interessen, Preisen, Regionen usw. filtern lassen, um so einen freien Platz zu finden. Ohne die Option zur Interaktion und Buchung sind diese Portale für die User allerdings uninteressant. Denn der Gast informiert sich mit dem Ziel anschließend schnell und barrierefrei buchen zu können. Hat der Campingplatz dem Web-Portal keine buchbaren Kontingente zur Verfügung gestellt, bleibt es bei der reinen Information. Doch wie sieht das Ganze in anderen touristischen Branchen aus?


„Web-Portale verändern Buchungsprozesse radikal“

DIE HOTELBRANCHE. Bei Hotels und Ferienwohnungen ist bereits zu erahnen, was auf die Campingbranche ungebremst zukommt: Bei der Google-Suche nach Ferienwohnungen stößt man meist auf traumferienwohnungen.de oder fewo-direkt.de und, wenn Sie sich für ein Hotel interessieren, unterbreitet booking.com Ihnen sicherlich ein Angebot für den gewählten Zielort. Besonders die kleinen Betriebe, mit schmalem Marketingbudget, können von dieser mächtigen Marktpräsenz profitieren und ihre Sichtbarkeit mit solchen Partnern massiv erhöhen. Diesen Service lassen sich die Portale natürlich bezahlen: Bei über booking.com gebuchten Hotelzimmern werden für die Vermittlung zwischen 10 und 15 % der Buchungssumme einbehalten. Für prominentere Platzierungen (vgl. „Premium-Einträge“) kann es auch mehr werden. Wie aber haben sich Camping-Web-Portale in jüngster Zeit entwickelt?


GRÜNDERLAUNE BEI CAMPING-PORTALEN. Nach dem Ausscheiden der Rocket-Internet Gesellschaft Campsy (früher Campday und anschließend fusioniert mit Get A Camp) gibt es im Campingbereich aktuell eine überschaubare Anzahl von Anbietern. Es ist bislang nicht entschieden welcher Anbieter das Rennen machen wird, wenn es darum geht, Camping-Gästen zukünftig eine attraktive Plattform zu bieten. Camping.info, Maxcamping.de, Campingplatz-deutschland.de, Campanio.eu (DoldeMedien Verlag, CampingImpulse), Pincamp.de und Pitchup.com sind die letzten Überlebenden einer ganzen Reihe von Portalen, die einst antraten, um die Branche zu digitalisieren und das Äquivalent zu den großen Hotel-Portalen zu bilden. Ein besonderes Augenmerk gebührt Pincamp.de: Die ADAC Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht den Markt für Web-Portale aufzurollen und hat mit den ADAC-eigenen Daten zu Plätzen und deren Infrastruktur ein heißes Eisen im Feuer. Was aber  braucht es für ein erfolgreiches Web-Portal?


"Kontingente sind die Achillessehne des Konzepts"

WAS ES FÜR EINE PLATTFORM BRAUCHT. Neben einem großen Namen braucht es im Wesentlichen drei Dinge, um eine Plattform zu etablieren: (1) Eine ansprechende und userfreundliche Bedienoberfläche, (2) Die Möglichkeit via Schnittstelle mit der Verwaltungs-Software der Campingplätze Daten auszutauschen und (3) Nicht zuletzt und vor allem: Campingplätze. Campingplätze, die sich dafür entscheiden ihre Kontingente über die jeweilige Plattform - und zu den jeweiligen Konditionen - anzubieten. Sind diese 3 Punkte gewährleistet, entscheidet der User welches Portal er gerne nutzt und damit auch welches sich am Markt durchsetzen wird. Eines steht dabei fest: Die Portale werden in Sachen Online-Sichtbarkeit den einzelnen Betrieben immer voraus sein. Expertise und Manpower dieser Potale lassen keinen anderen Schluss zu.


WER HAT DIE MACHT? Bei monopolisierter Marktmacht besteht die Gefahr, dass bei jeglicher Online-Suche nach dem Schlagwort CAMPING schon bald kein Weg mehr an der stärksten Plattform vorbeiführt. Ganz ähnlich, wie es bereits im Hotelsektor der Fall ist. Groß werden kann so ein Unternehmen aber nur, wenn es dem Endverbraucher auch wirklich buchbare Produkte anbieten kann. Wie bereits erwähnt: Ohne buchbare Campingplätze keine Plattform. Auf diese Weise können Campingplatzbetreiber jetzt also mit der Vergabe von Kontingenten aktiv mitbestimmen, wie sich der Markt entwickelt und welche Plattform sich zu welchen Konditionen und Gepflogenheiten zwischen ihnen und ihren Kunden platziert. Was können Betreiber jetzt tun, um sich dem Markt zu öffnen?


"Digitaler Vertrieb heißt Kontingente verwalten"

KONTIGENTE VERGEBEN. Die „Kontingentvergabe" an die eigene Website ist der wichtigste Baustein für einen dauerhaft unabhängigen, digitalen Vertrieb. Aber die Chancen und Möglichkeiten der neu entstandenen Web-Portale sollten Campingbetreiber nicht ignorieren. Es führt kein Weg daran vorbei, sich an den Umgang mit Kontingenten zu gewöhnen und diese, bedarfsorientiert und wirtschaftlich sinnvoll, dem neuen Vertriebskanal „Externe Web-Portale“ zur Verfügung zu stellen. Was auf diesen Portalen dem Endverbraucher als Produkt angeboten wird ist dabei immer nur genau das, was die Campingplatzbetreiber im Rahmen ihres Kontingents freigegeben haben: Bestimmte Plätze zu bestimmten Zeiten und zu bestimmten Konditionen. Um sich mit seinen Kontingenten dem Online-Markt zu öffnen, ist es natürlich nicht sinnvoll 100 % seiner Plätze in die externen Vertriebskanäle zu geben, sondern mit überschaubaren Kontingenten erst einmal Erfahrungen zu sammeln.


AUF MEHREREN PLATTFORMEN TANZEN. Als besonders arbeitsintensiv scheint es, seine für die Direktbuchung freigegebenen Produkte auf mehreren relevanten Portalen anzubieten. Für diese Problematik hält beispielsweise der BVCD Marktplatz eine Lösung bereit. Hier können Kontingente für die angeschlossenen Portale Camping.info, Maxcamping.de, Campingplatz-deutschland.de und Campanio.eu zentral vergeben und verwaltet werden. Durch ein, mit dem Verband ausgearbeitetes Vertragswerk und feste Marketingregeln wird beabsichtigt eine einseitige Dominanz von großen Portalen gegenüber den Campingplätzen zu verhindern. In jedem Fall muss der Campingplatzbetreiber die Portale für den Service der Kundenvermittlung und Imagewerbung bezahlen. Das Marketingbudget sollte sich hierzu stark vom Printkanal (Reiseführer) in Richtung Online (eigene Website und externe Portale) verlagern.



Eine informative Sackgasse? Bislang stellen Camping-Portale hauptsächlich einen eher geschlossenen Raum dar, in dem Informationen bebildert präsentiert werden. Portale sollten aber vielmehr in ihrem eigentlichen Sinn verstanden werden: Als weit geöffnete Tür die einen tatsächlichen Zugang zum Produkt ermöglicht. Auch 2019 sind nur dramatisch wenige Campingplätze in Deutschland wirklich online buchbar. Keines der angetretenen Web-Portale hat es bisher geschafft eine abrupte Veränderung in den Markt zu tragen. Für einen tatsächlichen Einstieg in das digitale Zeitalter braucht die Branche (1) zeitgemäß gestaltete Plattformen und (2) zahlreiche, mutige Betreiber, die ihre Kontingente vergeben um Campingurlaub zeitgemäß-digital zu ermöglichen. Die Zukunft ist ungewiss, aber: Digital.












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